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Die Geschichte der Turnabteilung

Die Geschichte des Turnens in Oberwolfach beginnt mit dem Jahr 1924. Damals veranlaßte der Ortspfarrer, Geistlicher Rat Lang, die Gründung der Deutschen Jugendkraft (DJK). Schon in den Jahren zuvor hatten junge Oberwolfacher beim TV Wolfach mitgeturnt. Der Pfarrer ließ sich bei der Vereinsgründung von dem Prinzip leiten: "Wer die Jugend hat, hat die Zukunft!"

Für kurze Zeit war der Roßstall des Dreikönigwirts, unmittelbar hinter dem Gasthofsgebäude, das Domizil der Turner. Als Geräte standen lediglich ein Barren und ein Reck zur Verfügung. Schon 1926 fanden die Turner im "Saal" neben dem Pfarrhaus (heute Bezirkssparkasse) ein echtes Zuhause. Weitere Geräte wurden angeschafft, die Turner eingekleidet. 1928 war der "Saal" Austragungsort des ersten Schauturnens, welches die Zuschauer und die Turner selbst in Begeisterung versetzte. Der Geistliche Rat, der einige Semester Architektur studiert hatte, bevor er sich der Theologie zuwandte, rief wenig später die Bevölkerung zu Spenden für eine neue Turnhalle auf, welche nach seinen Plänen südlich des heutigen Sportplatzes errichtet wurde. Die Vermutung liegt nahe, daß ihm selbst oder seiner Haushälterin der abendliche Turnbetrieb im "Saal" und auf dem Vorplatz zuviel geworden war. Die neue Turnhalle sollte auch als Jugendheim dienen. Später war sie kurze Zeit der Kindergarten.

Hier entwickelte sich unter dem "Vorturner" Adolf Oberfell ein reger Turnbetrieb. Auch Turnfeste fanden statt, ein letztes im Sommer 1934. Noch im selben Jahr verbot die Hitlerregierung die kirchlichen Vereine. Kolpingsfamilie und DJK lösten sich auf. Einige Turner schlossen sich dem TV Wolfach an oder wechselten zum Fußball.

Die Lust an der Turnerei war aber in Oberwolfach nicht vergangen. 1937 wurde im Gasthaus "Schützen" ein Turnverein gegründet und Ratschreiber Matthäus Oberfell zum ersten Vorsitzenden gewählt. Urkunden über diese Vereinsgründung sind nicht bekannt. Da die Turnhalle beim Sportplatz anderweitige Verwendung fand und den Turnern nur selten zur Verfügung stand, turnte man beim "Schützen" auf der Wiese (heute Parkplatz). Reck und Barren standen in der Kegelbahn unter Dach. Einen Vorturner gab es nicht mehr. Aber gerade dieser Tatbestand läßt erahnen, wieviel Interesse damals am Turnen bestand. Übrigens gründete ein "harter Kern" der aufgelösten DJK 1939 die freiwillige Feuerwehr, um damit Volk und Staat zu dienen, ohne in eine NS-Organisation eintreten zu müssen. Während des Krieges 1939 bis 1945 ruhte die turnerische Tätigkeit. Gelegentlich "bolzten" Jugendliche "uff's Hofbure Matte" vor der Turnhalle.

1948 wurde der Sportverein Oberwolfach e.V. gegründet. Obwohl es noch keinen wettspielgerechten Sportplatz gab - dieser entstand erst 1951 -, so gab es doch von Anfang an eine Turnabteilung, wenn auch noch nicht im Vereinsregister eingetragen. Abteilungsleiter der Turner war Zimmermeister Christian Spinner. Er hatte auch die Gründungsversammlung des SV Oberwolfach einberufen und geleitet. Erster Vorsitzender wurde Hauptlehrer Hans König, Christian Spinner sein Stellvertreter.

Bereits am 17.09.1950 nahm die Männerriege der Oberwolfacher Turner am großen Schauturnen und Festumzug in Schapbach teil, mit beachtlichem Erfolg. Es war der erste auswärtige Auftritt der Turner des jungen Sportvereins. Mit Fertigstellung der Festhalle 1958  wurde für die Turner - jetzt auch für die Turnerinnen - ein Traum verwirklicht und die Möglichkeit geschaffen, einen geregelten Übungsbetrieb aufzubauen. Die Mädchenriege wurde zunächst von "Gut-Heil-Erich" Sandfuchs und Tochter Eva geleitet, später von Karl und Hilde Müller aus Hornberg, bis sich mit Friedel Harter und Edeltraud Gewald eigene Übungsleiterinnen fanden. In den folgenden Jahren entstanden bzw. erweiterten sich die Gymnastikriege der Frauen (Edeltraud Gewald und Helga Bachthaler), die Leistungsriege der Turner (Walter Schmid), die Jugendturnerriege (Heinz Greulich), eine Männerriege (Erich Biniossek und Willy Suhm), eine Riege der Turnerinnen (Friedel Harter), eine Mädchenriege (Astrid Gutmann und Inge Kilgus) sowie eine Volleyballriege für Mädchen (Christian Keller). Ein eindrucksvolles Schauturnen brachte 1959 der inzwischen von Walter Schmid geführten Turnabteilung große Anerkennung ein. Von da an sorgte die Turnabteilung jährlich für einen Bunten Abend mit Schauturnen in der Festhalle. Um schneller zu guten Leistungen zu gelangen, besuchten einzelne Oberwolfacher Turner auch Übungsabende benachbarter Vereine, so beim TV Wolfach, TV Schiltach und TV Schenkenzell.

Anläßlich des 100-jährigen Jubiläums des Badischen Schwarzwald-Turngaus trugen 1965 auch Turner des SV Oberwolfach e.V. die Fackel durch Dorf und Stadt in Richtung Triberg, wo die Feierlichkeiten stattfanden. Es waren dies Helmut, Bruno und Wolfgang Armbruster (v.l.).

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Im Jahre 1964 wurde bei der Walke mit dem Feuerwehrgerätehaus und Kindergarten auch der Gymnastikraum eingeweiht, womit ein lange gehegter Wunsch der dortigen Schule in Erfüllung ging, denn das Schulturnen hatte bis dahin unter einfachsten Verhältnissen stattgefunden, d.h. nur bei trocken-warmer Witterung mit einem Kasten und zwei Matten auf dem Bolzplatz "an der Lai".

Damals erfüllte sich auch ein Versprechen des Schulleiters Heinz Greulich, er werde, wenn die Gemeinde eine Halle baue, eine Turnabteilung gründen und der Jugend unabhängig von Wetter und Jahreszeit zu Sport und Spiel Gelegenheit bieten. So kam es am 17.10.1964 in einer Versammlung im Schulhaus Walke zur Gründung der Turnabteilung im Sportverein Oberwolfach. 27 interessierte Männer und Frauen trugen sich als Mitglieder in die Listen ein und sie wählten denjenigen, der diese Gründung angeregt hatte, zu ihrem Leiter: Heinz Greulich. Er war von Anfang an Abteilungsleiter, Animateur, Hallenwart, Gerätebeschaffer und Kassier, letzteres bis 1984, als Walter Beitz, Hauptkassier des SVO, die Kasse auf EDV umstellte und das Lastschriftverfahren einführte.

Der SVO schloß sich dem Badischen Schwarzwald-Turngau an. Greulich warb unter den Kindern und bei deren Eltern für das Turnen. Die Mitgliederzahl wuchs schnell von 100 (1964) auf 240 (1968). Intensive Trainings- und Aufbauarbeit in Zusammenarbeit von Schule und Turnabteilung sorgte bald für ein erfreulich hohes Können in den zahlreichen Riegen der Schülerinnen und Schüler. Bald waren die Oberwolfacher bei Wettkämpfen auf den vorderen Plätzen zu finden. Was der "Turnvadder" Greulich für die Buben anbot, bot seine Frau Inge für die Mädchen an. Letztere ließen nicht nur im Geräteturnen aufhorchen, sondern gewannen bei Gaukinderturnfesten sechsmal den Wimpelwettstreit in Konkurrenz mit renommierten Vereinen des Turngaues. Vierzig und mehr Buben und Mädchen des SVO auf dem Gaukinderturnfest, bei Jugendmeisterschaften oder Mannschaftswettbewerben waren keine Seltenheit. Zu den Winterrundenkämpfen 1967 in Hausach meldete der SVO 53 Teilnehmer, darunter 21 Mädchen. Hubert Haas und Herbert Schmieder turnten damals schon in der Aufbaustufe.

Große Unterstützung erfuhr die Turnabteilung durch Friedrich Brodbeck, der von Anfang an bei der Walke die Bubenriege übernahm und zur Männer-Gymnastikriege zählte, aus der sich eine Prellballriege entwickelte, die dreimal die Gaumeisterschaft errang und die bis heute besteht. Wie Heinz Greulich und Walter Schmid war auch er als Kampfrichter tätig und führte später eine Leistungsriege der Jugendturner zu großem Erfolg. Sein Sohn Hans-Jörg übernahm sie, Joachim Feger leitet sie heute. Diese Turner, auch einige Turnerinnen, nahmen am Deutschen Turnfest 1994 in Hamburg und 1998 in München teil. Auch bei den Landesturnfesten 1984 in Singen, 1988 in Rastatt, 1992 in Pforzheim und 1997 in Karlsruhe waren Turnerinnen und Turner des SVO dabei. 1992 und 1997 nahmen Joachim Feger, Sven Götz, Eugen Fritsch und Daniel Schmider an der Radsternfahrt zu den Landesturnfesten teil. Nicht zu vergessen sind die Erfolge bei den Gauskiwettkämpfen Anfang der 80er Jahre in Schonach, Schönwald und Vöhrenbach.

Inge Greulich leitete bei der Walke, zeitweilig unterstützt von Margret Matt und Ingrid Knigge, die Riege der Jugendturnerinnen, seit 1966 auch die bis dahin von Christa Ganz geführte Frauenriege, bis sie diese 1985 an Gisela Becht abgab. Seit 1987 führt Lydia Schillinger diese Riege, und inzwischen wuchs diese Riege so stark an, daß sie geteilt werden mußte. Das Kinderturnen der Mädchen lag anfänglich bei der Walke in Händen von Carola Kempf, später bis 1990 von Inge Greulich, dann von Ulrika Harter und seit 1992 von Petra Pfundstein. Seit 1969 leitet Inge Greulich im Ortsteil Kirche das "Frauenturnen auf Musik in rhythmischer Koordination". Auch hier war rege Beteiligung der Grund für die Teilung der Riege. Als Frauenriege II führten Anneliege Scherer und kurze Zeit Dorothea Schoch diese Riege. Seit 1992 ist Ulrika Harter verantwortlich. Alle diese Riegenleiterinnen besitzen die Übungsleiter-Lizens, Inge Greulich und Lydia Schillinger sogar die P-Lizens für gesundheitliche Prävention und Rehabilitation. Das Kinderturnen der Mädchen bei der Kirche lag jahrelang bei Inge Kilgus in guten Händen, seit 1993 führt Hedwig Scherer es weiter in Form von Breitenarbeit. Seit 1984 bietet der Verein jeweils von Oktober bis April das "Mutter und Kind-Turnen" an. Adelheid Jorge Pereira, Karin Dieterle und Christel Hauer haben damit begonnen. Heute besteht es aus vier Gruppen, die von Karin Dieterle, welche die Verantwortung trägt, von Irmgard Welle, Martina Heitzmann, Maria Dieterle und Irmela Fritsch angeleitet werden.

Erwin Gieringer macht seit 1980 das Angebot eines Lauftreffs: Jogging, leichte Wanderungen, Radtouren, im Winter auch Skilanglauf. "Trimm-Trab-ins Grüne" war, unterstützt von der AOK Lahr-Wolfach, von 1984 bis 1997 jeweils im April ein weiteres Angebot. Zahlreiche Interessenten beiderlei Geschlechts und aller Altersstufen trafen sich, um eine der drei ausgesteckten Laufstrecken für Anfänger, Fortgeschrittene und Rennläufer zu absolvieren. Verantwortliche waren Erwin Gieringer, Heinz Greulich, Friedrich Brodbeck, Paul Heitzmann und Oskar Dieterle. Seit 1965 wird jeden Sommer die "Aktion Sportabzeichen" durchgeführt, das "Olympia des kleinen Mannes". Bis 1994 leitete Heinz Greulich das Training und nahm die Prüfungen ab, seither ist Friedrich Brodbeck verantwortlich. Auch Bernd Lang und Manfred Armbruster aus Wolfach waren als Prüfungsberechtigte tätig.

Die Turnabteilung zählte 1989 347 Mitglieder, heute sind es 618, davon 398 weibliche Mitglieder. Sie unterhält 19 Riegen: im Ortsteil Kirche (Festhalle) 2 Frauenriegen, 1 Mädchenriege, 1 Männerriege, 4 Mutter und Kind-Riegen sowie 2 Riegen JIU-JITSU-KARATE; im Ortsteil Walke (Gymnastikraum) 2 Frauenriegen, 2 Mädchenriegen, 1 Prellballriege, 1 Jugendturnerriege, 1 Leistungsriege, 1 Riege "Schule und Verein", 1 Lauftreffriege und gelegentlich einen Rückenschulenkurs.

Das umfangreiche, breitgefächerte Angebot von Übungsstunden, Wettkämpfen und unterhaltenden Veranstaltungen dient nicht nur der Gesundheit und dem Gemeindeleben, sondern erhöht auch die Lebensqualität und stärkt den Gemeinsinn. Bei Bunten Abenden, beim Sportlerball und in der Sportwoche des SVO sind regelmäßig auch Turnerinnen und Turner aktiv.